Asyl

Veröffentlicht am September 8th, 2015 | von Vivien Costanzo

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„Syrian refugee crisis“

Mit der aktuellen Flüchtlingsdebatte, die völlig richtig, nur leider deutlich zu spät kommt, rückt auch der Krieg in Syrien wieder in den Mittelpunkt der Medien.

Laut UNHCR befinden sich knapp 12 Millionen Syrierinnen und Syrer[1] auf der Flucht. Die meisten suchen Zuflucht in den benachbarten Staaten, wie in der Türkei, dem Libanon oder Jordanien, wobei die Situation in den Flüchtlingslagern unerträglicher wird. Für das Jahr 2015 benötigen UNHCR und seine Partner 5,5 Milliarden US-Dollar. Bis Ende Juni wurde jedoch erst ein Viertel der humanitären Gelder durch Geber zur Verfügung gestellt. Das bedeutet für die betroffenen Flüchtlinge die erneute Kürzung von Nahrungsmittelrationen, Probleme die lebensnotwenige Gesundheitsversorgung zu zahlen oder Kinder in die Schule zu schicken. Mehr und mehr Menschen sind gezwungen, sich aufgrund fehlender legaler Möglichkeiten Schleppern anzuvertrauen, um den riskanten Weg über das Mittelmeer auf sich zu nehmen.

Viele der dort lebenden Menschen allerdings verfügen nicht über die finanziellen Ressourcen, um sich Schleppern leisten zu können, sodass sie gezwungen sind weiterhin in den überfüllten Flüchtlingslagern zu leben. Leider leben sehr viele Flüchtlinge aufgrund von Überfüllung nicht in offiziellen Camps. Das Problem hier ist die fehlende Gewährleistung von Versorgung. Etwa 86 Prozent der syrischen Flüchtlinge in Jordanien, die außerhalb der Camps untergekommen sind, leben unter der Armutsgrenze von 3,20 US-Dollar am Tag. Im Libanon muss über die Hälfte der Flüchtlinge (55 Prozent) in unzureichenden Unterkünften leben.[2]

Und genau diesen Personen wollen die Brüder Omar und Jasser Kassab helfen und gründeten im Jahr 2013 den Verein „Syrian refugee crisis“. Seit Ausbruch des Konfliktes 2011 begleitet er die beiden Brüder mit syrischen Wurzeln tagtäglich, sodass sie begannen regelmäßig mit anderen internationalen Freiwilligen nach Jordanien zu reisen. Die Hilfsbereitschaft und das Engagement der Menschen, die davon erfahren haben, war so groß, dass sie sich entschlossen haben, ihr Engagement in Form eines Vereines weiterzuführen: „Syrian Refugee Crisis“.

Ziel des Vereines ist, spendenfinanzierte Projekte im Bereich Bildung, medizinische Versorgung und Notfhilfe zu leisten, sodass sie sich bei einer ihrer Reisen einem Ärzteteam anschlossen und beispielsweise übersetzten oder Medikamente abpackten. Mit gesammelten Spenden konnten auch u.a. Übergangsschulen errichtet und drei Lehrer eingestellt werden.

Ein weiteres Projekt ist die Ausstellung „Hinter Grenzen Fantasie“. Die beiden brachten von einer ihrer Reisen gemalte Bilder syrischer Flüchtlingskinder mit. Diese wurden in Form einer Ausstellung „Hinter Grenzen Fantasie“[3] ausgestellt und anschließend in einer Online-Auktion versteigert. 100% des Erlöses gingen an das Salaam Children’s Center in Amman, dessen Finanzierung so sechs bis acht Monate gesichert wurde. Das Salaam Children’s Center ist eine Traumaschule für vom syrischen Krieg betroffene Kinder und Familien, die in Jordanien leben. Dort werden syrische Flüchtlingskinder im Alter von 6 bis 12 Jahren von geschultem Personal therapeutisch und spielerisch betreut.

Der Verein wird von den Brüdern alleine und ehrenamtlich betreut, sodass sie eine 100%ige Weitergabe der Spenden garantieren können.

Die Hilfsbereitschaft in Deutschland ist aktuell überwältigend. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die überall da einspringen, wo Politik versagt, wäre eine annähernd menschenwürdige Unterbringung nicht möglich. Trotz allem müssen wir weiter Druck auf Europa ausüben, damit Europa endlich seiner Rolle gerecht wird. Währenddessen dürfen wir all die Menschen, die es nicht zu uns schaffen und im Libanon, der Türkei oder Jordanien sind, nicht vergessen. Vereine wie „Syrian refugee crisis“ (ihr findet sie auf Facebook) nehmen sich derer an und schaffen es durch ehrenamtliches Engagement zu gewährleisten, dass 100% der Spenden auch ankommen. Danke, für Eure Arbeit, für Eure Motivation da zu sein, wo keiner hinschaut!

 

Omar Kassab war beim Kamingespräch auf dem Verbandswochenende „Islamistischer Terrorismus und die Lage im Nahen Osten am Beispiel Syrien“ Ende August 2015 zu Gast und stellte seine Arbeit vor.

[1] http://www.unhcr.de/service/zahlen-und-statistiken.html

[2] http://www.unhcr.de/home/artikel/b0843b46d8393e8e4bf87511ff1c7b1c/zahl-der-syrien-fluechtlinge-uebersteigt-4-millionen.html

[3] http://media.wix.com/ugd/97744d_d66177fb6acf4e308e9fc07f2220a73d.pdf


Über den/die Autor*in

ist 25 Jahre alt und studiert Jura. Sie ist stellv. Vorsitzende im Juso-Bezirksvorstand und beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Nahen Osten, Internationales und Europa.



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