Gesellschaft

Veröffentlicht am November 11th, 2015 | von Kaweh Mansoori

1

Gefangen im eigenen System – Warum der DFB nicht besser sein kann als die Blatter-Mafia

Ein Kommentar

 

Über 200 Mio. EUR Umsatz pro Jahr. Über 200 Mitarbeiter. Geführt wie eine Würstchenbude. Das ist die kurze Beschreibung des Deutschen Fußballbundes e.V. (DFB). Sicherlich stand der Gedanke der Gemeinnützigkeit bei Gründung des DFB im Vordergrund. Heute hat er die Dimension eines größeren mittelständischen Unternehmens erreicht. Der DFB ist mittlerweile eine Marke im internationalen Sportbusiness und hat dabei die Strukturen vom FC Buxtehude. Was ist so schlimm daran, einzuräumen, dass der Spitzensport ein wirtschaftlich profitabler Unterhaltungsbetrieb ist und deswegen auch die Strukturen braucht, die für ein Unternehmen dieser Größe selbstverständlich sind? Mit geteilter Verantwortung, Trennung von administrativem Geschäft und Kontrollapparat, mit Hauptamtlichen in der Geschäftsführung, die gleichzeitig keiner anderen Beschäftigung nachgehen dürfen und bestellten Kontrollpersonen. Mit Compliance Abteilungen, Ausschreibungen statt Zurufprinzip bei der Auftragsvergabe, Regeln für Haushaltsführung- und Bilanzierung. Nicht die Tatsache, dass ein Altherren-Club ausgedienter Fußballspieler an der Hotelbar Millionendeals hin und her schiebt, Vetternwirtschaft betreibt, nicht einmal vor Straftaten zurückschreckt, ist empörend, sondern der Umstand, dass das in der öffentlichen Meinung weitgehend geduldet wird. Und wieso? Weil, man das für Einzelfälle hält, weil der DFB mit dem Geld so viel Gutes tut, den Nachwuchs und den Amateursport fördert. Dass Oliver Bierhoff die Nationalmannschaft auffordert, verloren gegangenes Vertrauen durch attraktiven Fußball zurückzugewinnen, ist dabei die größte Frechheit. Das ist in etwa so, als würde man meinen, organisierte Kriminalität durch Vorlesen im Altenheim wiedergutmachen zu können. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Und es ist genau diese unzulässige Verquickung von wirtschaftlicher Tätigkeit und Sport, die völlig aus der Zeit gefallen ist und erst die Geschäftsgrundlage für die ständigen Skandale schafft. Nehmt dem DFB endlich die Gemeinnützigkeit weg und macht daraus ein professionelles Unternehmen, das Steuern zahlt. Um Breitensportförderung soll sich ruhig der Wohlfahrtsstaat kümmern. Dafür brauchen wir keinen eingetragenen Verein, der Teil des Problems und nicht der Lösung ist.

Tags: , , , , ,


Über den/die Autor*in

ist Vorsitzender der südhessischen Jusos. Er ist 27 Jahre alt und Rechtsreferendar am Landgericht Gießen. Thematisch beschäftigt er sich vor Allem mit Wirtschaftspolitik und Europafragen.



One Response to Gefangen im eigenen System – Warum der DFB nicht besser sein kann als die Blatter-Mafia

  1. Monika Fath-Kelling says:

    Ganz meine Meinung. Bitte bleiben sie an dem Thema und ihrer Forderung dran und versuchen sie durch Anträge und Forderungen an geeigneter Stelle voranbzutreiben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nach oben ↑