Arbeit

Veröffentlicht am April 22nd, 2015 | von Christian Senker

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Schulterschluss mit Sozialberufen!

Als sich rund 25.000 Angestellte von Schlecker, größtenteils Frauen, 2012 vor der Arbeitslosigkeit standen sagte Ursula von der Leyen:

„Diese arbeitsuchenden Frauen, sie sind selbstverständlich ebenso geeignet, wie JEDER andere und JEDE andere in der Bundesrepublik, als Erzieherin zu arbeiten.

Durch Umschulung, so stellte man es sich vor, sollten aus den ehemaligen Verkäuferinnen Erzieherinnen werden. Die Erwägung dieser Maßnahme drückt einen in Politik verankerten Mangel an Wertschätzung insbesondere für den Beruf der*s Erzieher*in, aber auch für Sozialberufe im Allgemeinen aus und sendet damit auch ein falsches Bild dieser Berufsgruppe an die Gesellschaft.

Bei ihrer letzten Mitgliederversammlung hatten die Jusos Darmstadt-Stadt zusammen mit Gästen aus Südhessen die Gelegenheit mit Barbara Lücke, der Geschäftsführerin der AWO Darmstadt, anhand der Situation der Kleinkinder-, Kinder- und Hortbetreuung in Darmstadt über Wertschätzung und Anerkennung, gesellschaftlich wie finanziell, der Sozialberufe zu diskutieren. Berufe, welche die Säule unserer Gesellschaft und unseres Sozialsystems sind. Babara Lücke bestätigte, dass diese Geringschätzung der Sozialberufe in der Gesellschaft weit verbreitet, und die Unterstützung vonseiten der Politik unzureichend sei. Trotz parteiübergreifender Betonung ihrer Relevanz für die Gesellschaft käme es nur zu Lippenbekenntnissen.

Worum soll es in diesem Artikel also nun gehen? Letztendlich um die Frage, nach welchen Werten wir unsere politische Arbeit ausrichten. Dabei kann nur soziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt stehen. Sich dafür einzusetzen bedeutet auch sich solidarisch an die Seite der Menschen zu stellen, deren Beruf einen essenziellen Beitrag zur Bekämpfung struktureller Benachteiligung und sozialer Ausgrenzung leistet! Dieser Verantwortung muss mit dem nötigen Respekt begegnet werden, und dieser muss sich auch über die Bezahlung ausdrücken.

Frau Von der Leyens Zitat macht deutlich, welche Sichtweise Teile der deutschen Politik auf den Beruf der Erzieher*innen haben. Die Aussage, jeder Mensch sei nach einer Umschulung geeignet als Erzieher*in zu arbeiten entwertet deren jahrelange Ausbildung und professionelle Arbeit. Jede Mutter und jeder Vater haben ein Recht darauf, ihre Kinder professionell betreut zu wissen. Insbesondere Alleinerziehende und Familien, in denen beide Eltern arbeiten müssen, sind darauf angewiesen, da sie nur so ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Es geht bei Betreuung in Kindergärten, Krippen und Horten aber um mehr als das bloße Beaufsichtigen der Kinder. Frühkindliche und vorschulische Bildung, das Fördern der Sprachentwicklung und das Ausbilden von Sozialkompetenzen sind wesentliche Aufgaben von Erzieher*innen. Sie müssen Ansprechpartner und Vorbild sein, problematische Situationen erkennen, das Wohl des Kindes garantieren und gemeinsam mit Eltern und anderen Institutionen arbeiten. All diese Tätigkeiten gehen nicht nur weit über einen reinen Betreuungsansatz hinaus, sie stärken auch die Chancengleichheit für strukturell benachteiligte Kinder essentiell.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Streiks der bei ver.di organisierten Erzieher*Innen rückt der Fokus derzeit auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Es sind aber auch ausgebildete Alten- und Krankenpfleger*Innen, Heilpädagog*Innen, Sozialarbeiter*Innen und –pädagog*Innen die jeden Tag in sozialen Einrichtungen Arbeit im Dienst an der Gesellschaft verrichten, ohne entsprechende Wertschätzung zu erfahren. Sie alle tragen dazu bei, dass Menschen, welche an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden, benachteiligt und ausgegrenzt und für viele geradezu unsichtbar sind, Halt gegeben wird. Sie begleiten Suchtleidende, ermöglichen Häftlingen die Rückkehr in die Gesellschaft, ermöglichen Flüchtlingen den Zugang in ihr neues Umfeld, verschaffen Migrant*Innen eine Lobby, unterstützen Menschen mit Behinderung im Alltag und leisten vieles mehr. Diese verkürzte Aufzählung wird der Vielfalt der Tätigkeiten der Sozialberufe keineswegs gerecht. Sie soll aber den Wert dieser Arbeit für unsere Gesellschaft zum Ausdruck bringen.

Was wollen wir nun also konkret? Die SPD muss sich klar positionieren und bei allen Debatten zu Familienunterstützung, Chancengleichheit, Bekämpfung sozialer Ausgrenzung und Inklusion die in diesem Bereich professionell arbeitenden Berufsgruppen berücksichtigen. Wir fordern von unserer Partei einen öffentlichen Schulterschluss mit Ver.di und damit die bedingungslose Unterstützung ihrer Forderungen. Wir wollen die Sozialberufe in ihrem Kampf für gesellschaftliche Anerkennung und gerechte Bezahlung unterstützen, damit diese Berufsgruppen auch langfristig auf hohem, pädagogischem Niveau erhalten bleiben können und ihnen der angebrachte Respekt entgegengebracht wird.

Die Forderungen von ver.di zusammengefasst:

  • Die Aufwertung sozialer Berufe, nicht nur mit schönen Worten, sondern direkt sichtbar mit einer entsprechenden Bezahlung.
  • Alle Beschäftigten in diesem Bereich sollen besser eingruppiert werden.
    Ver.di fordert eine höhere Eingruppierung sozialer Berufe in der Besoldungstabelle. Die genauen Forderungen zur Eingruppierung: http://www.soziale-berufe-aufwerten.de/information/berufsprofile/
  • Eine neue Eingruppierung soll für jede/n eine Gehaltserhöhung von durchschnittlich zehn Prozent bringen.
  • Die Leitungen sollen künftig nicht mehr nur an Kinderzahlen, sondern alternativ an der Anzahl der Gruppen oder der Zahl der Beschäftigten in der Einrichtung bemessen werden.
    Ver.di macht deutlich, dass die Arbeit mit Kindern nicht quantitativ sondern in erster Linie qualitativ bemessen werden muss.
  • Für die Behindertenhilfe soll es zusätzliche Verbesserungen geben.
  • Bei der Zuordnung Beschäftigter zu den einzelnen Stufen sollen Vorbeschäftigungszeiten zwingend anerkannt werden.
  • Auch Mitarbeiter, die bestimmte Formalqualifikationen nicht erfüllen, müssen besser eingruppiert werden – zum Beispiel, wenn Sozialassistenten/-innen als Erzieher/-innen arbeiten.
  • Bei vorübergehender Übertragung einer höherwertigen Tätigkeit soll zudem über die Zahlung des Differenzbetrages verhandelt werden.

Als Sozialdemokrat*innen sollten wir nun ein Zeichen setzen und unseren Gewerkschaftskolleg*innen, die Solidarität entgegenbringen die sie verdienen. Durch ihren Einsatz setzten sie sich für Soziale Gerechtigkeit ein, diese muss auch immer Grundlage unseres politischen Handelns sein.
Daher müssen WIR endlich wieder den Schulterschluss suchen, und mit Ihnen aktiv für bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und gesellschaftliche Anerkennung kämpfen! In unseren Programmen, der politischen Gremienarbeit, als auch auf der Straße!

Die Sozialdemokratie hat in den letzten Jahren viel Vertrauen bei den Gewerkschaften verloren, es wird Zeit, dass wir dieses wieder zurück gewinnen und unsere Werte für soziale Gerechtigkeit groß schreiben!

Alle Informationen und Hintergründe zu den Forderungen von Ver.di:

http://www.soziale-berufe-aufwerten.de/information/forderungen/

Zitat von Ursula von der Leyen aus dem Jahr 2012:

https://www.youtube.com/watch?v=CfHpGAGbIr4

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Über den/die Autor*in

ist 22 Jahre alt, wohnt im Odenwald und studiert Soziale Arbeit in Darmstadt, im sechsten Semester. Neben dem Vorsitz der Jusos Odenwald ist er auch in der SPD vor Ort aktiv. Soziale Arbeit ist mehr als nur sein Studium, es bergündet sein politisches Engagement für Gerechtigkeit und Kampf gegen sozialen Ausschluss. Seine Hauptinteressen liegen daher bei Chancengleichheit & Bildung, sowie Inklusion & Gleichstellung.



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