Verbandsleben

Veröffentlicht am April 24th, 2015 | von Myrella Dorn

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Alternativen denken – wer wenn nicht wir? Kandidatur für den stellv. Bezirksvorsitz

Liebe Jungsozialistinnen und Jungsozialisten,

nachdem ich von meinem eigenen Unterbezirk Frankfurt und dem Unterbezirk Offenbach Kreis nominiert wurde, möchte ich mich nun auch dem Gesamtverband vorstellen und meine Kandidatur als stellv. Bezirksvorsitzende öffentlich machen.

Mein Name ist Myrella Dorn, ich bin 25 Jahre alt und studiere an der Goethe-Universität Frankfurt Soziologie und Philosophie.

Das war in meiner Familie aber keine Selbstverständlichkeit. Als erste Frau mit Abitur und einem Hochschulstudium stamme ich aus einer typischen Arbeiter*innenfamilie. Ursprünglich komme ich aus dem schönen Rheingau-Taunus-Kreis, genauer aus Taunusstein-Hahn, wo ich bis zur 10. Klasse auf eine Integrierte Gesamtschule (IGS) gegangen bin. Mein Abitur machte ich dann auf dem Oberstufengymnasium der Martin-Niemöller-Schule in Wiesbaden. Mein Schulverlauf ist nicht unbedingt Juso-typisch, aber genau die Zeit an der IGS hat mich sehr geprägt.

Seit einigen Jahren engagiere ich mich bei der Juso-Hochschulgruppe und in den verschiedensten Gremien. So bin ich momentan noch amtierende AStA-Vorsitzende und seit April 2015 direkt gewählte studentische Senatorin. Neben meinem hochschulpolitischen Engagement bin ich im Unterbezirk Frankfurt aktiv. Dort gründete ich 2013 zusammen mit zwei weiteren Genossen die erste AG Azubi auf Unterbezirksebene. Ziel war und ist es, eine Plattform für alle Auszubildenden und Arbeitnehmer*innen der Jusos in Frankfurt zu sein. Seit November 2014 bin ich nun auch eine der drei Sprecher*innen der Frankfurter Jusos.

Dieses Engagement macht mir viel Spaß und erfüllt mich. Daher freue ich mich auch besonders auf diese neue Herausforderung und auf meine Kandidatur für den Bezirksvorstand 2015. Meine Schwerpunkte werden vor allem Wohnraum, Familie und Feminismus sein. Hierfür habe ich mir drei Ziele gesetzt.

WOHNRAUM – FAIR UND SOZIAL GESTALTEN!

Wohnraumpolitik ist eines der zentralen Themen, das Menschen in allen Altersgruppen beschäftigt. Gerade in Groß- und Universitätsstädten wie Frankfurt, Darmstadt und Gießen, aber auch in den umliegenden ländlichen Kreisen wirkt sich die prekäre Wohnraumsituation immer mehr aus; sei es der Mangel an Wohnraum, die steigenden Mieten, die Verdrängungspolitik oder der Leerstand von Häusern und Wohnungen.

Studierende, Auszubildende und junge Menschen wollen im unmittelbaren Umfeld ihrer Ausbildungs- und Arbeitsstätte wohnen – oft auch am liebsten mitten in der Stadt. Doch gerade in den Städten ist die Wohnungslage katastrophal. Aber nicht nur junge Menschen sind von der Verdrängung aus den Städten betroffen, sondern all jene, die sich die immer weiter steigenden Mieten nicht (mehr) leisten können. Es herrscht sowohl ein dauerhafter Mangel an sozialem und studentischem Wohnraum, als auch an Wohnraum für Auszubildende, welcher fast gar nicht erst vorhanden ist. Es würde derzeit nicht einmal ausreichen, Leerstand zu nutzen und Mieten zu senken, um dem hohen Bedarf gerecht zu werden, muss auch neu gebaut werden. Die schwarz-grüne Landesregierung zeigt in dieser Situation immer wieder, dass sie keinerlei Gespür für Planungspolitik hat.

Wir Jusos reden gerade bei diesem Thema oftmals gegen eine Wand.

Das will ich mit Euch gemeinsam ändern!

Zusammen mit vielen weiteren Akteur*innen möchte ich einen Jour Fixe ins Leben rufen, um konkret an Ideen und realisierbaren Projekten arbeiten zu können. Wir müssen endlich Initiative ergreifen, denn außer uns wird das keiner machen!

Teil dieses Jour Fixe sollen neben Jusos und Landtagsabgeordneten auch parteiexterne Bündnispartner*innen sein. Konkret: Initiativen, Gewerkschaften, Jugendvertretungen, Akteur*innen an den Universitäten, die Studierendenwerke, Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften und Oberbürgermeister*innen.

Neben diesen Runden soll aber auch Raum für kreativen Ideenaustausch sein. Deshalb möchte ich beispielsweise Seminare zur sozialen und gerechten Wohnraumpolitik einführen, eine Art „Wohnraum-Aufschlag“, Petitionen und kreative/neue Aktionsformen entwickeln, welche die Bürger*innen auf das Problem aufmerksam machen.

ALTERNATIVEN DENKEN – WEG VOM HERKÖMMLICHEN FAMILIENBILD!

In einer Zeit, in der das ursprüngliche Familienbild nicht mehr die hegemoniale Stellung von Familie für sich beanspruchen kann, müssen auch wir Jusos das Umdenken anfangen; seien es die Gleichstellung der homosexuellen Partner*innenschaft und Familie oder auch die Loslösung von einer im Einklang genannten Verknüpfung von Frau und Familie. Doch über die alternativen Familien- und Lebensformen hinaus gibt es immer mehr junge Menschen, die alleinerziehend sind. In vielen Bereichen des Lebens wird diese Gruppe jedoch nicht beachtet – in der beruflichen Ausbildung, an Universitäten und im Berufsleben. Viele alleinerziehende Eltern sehen sich nicht ausreichend unterstützt. Sowohl das Angebot an Teilzeitarbeitsplätzen als auch die Möglichkeit, direkt in Teilzeit eine Ausbildung zu absolvieren, ist stark eingeschränkt. Gemessen an den desaströsen Betreuungsqouten sind viele Alleinerziehende gezwungen, zu Hause zu bleiben oder ihre Ausbildung abzubrechen. Es zeigt sich auch, wie stark Ausbildung und Beruf noch von Stereotypen geprägt sind: Die Vielzahl der Ausbildungsberufe in Teilzeit bestehen aus sogenannten „Frauen-Berufen“.

Wir Jusos müssen uns dafür einsetzen, dass alle Ausbildungsberufe in Teilzeit absolviert werden können und sowohl Frauen als auch Männern die Chance auf eine Teilzeitstelle innerhalb des Unternehmens gegeben wird. Dafür muss ein flexibler Rückgang in die Vollzeit gewährleisten sein.

Nicht nur junge Menschen mit Kindern, die schon arbeiten oder gerade eine berufliche Ausbildung absolvieren, sehen sich mit diesen Problemen konfrontiert. Auch Studierende mit Kindern sind viel zu oft auf sich allein gestellt. Nicht zu jeder Zeit kann in ein Teilzeitstudium gewechselt oder überhaupt ein solches aufgenommen werden. Daher müssen wir fordern, dass jeder Studiengang die Möglichkeit zu einem Teilzeitstudium bietet und jederzeit Flexibilität in der Studienplanung ermöglicht.

Über die Arbeits- und Studienbedingungen hinaus müssen sowohl in Unternehmen als auch an Universitäten Betreuungseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Viel zu viele junge Eltern können keinen Betreuungsplatz finden und haben nicht die Möglichkeit, einen Platz an ihrem Arbeitsplatz/an ihrer Ausbildungsstätte zu nutzen. Diese Kapazitäten müssen geschaffen werden, sodass die Vereinbarkeit von Ausbildung/Beruf und Kind gewährleistet wird und nicht an wirtschaftlichen oder finanziellen Hürden Halt macht.

FRAUEN EMPOWERMENT – NICHT REDEN, SONDERN HANDELN!

Viel zu lange haben wir immer wieder feministische Leitpapiere verfasst und verabschiedet – und dann das Handeln vergessen. Denn wie kann es sein, dass wir immer noch mehrheitlich die Quote nicht einhalten können, immer wieder Frauen den Verband verlassen oder sich nicht engagieren wollen?

Was uns fehlt, ist die praktische Realisierung unserer feministischen Ausrichtung. Ein Frauen-Empowerment Programm kann und muss der einzige und richtige Schritt in die aktive Auseinandersetzung mit Frauenförderung und Feminismus sein. Innerhalb dieses Empowerment-Programms sollen Frauen, die schon länger innerverbandlich aktiv sind, mit neuen und jungen Frauen ins Gespräch kommen und zusammenarbeiten. Dadurch soll eine intensive Auseinandersetzung mit den strukturellen und innerverbandlichen Problemen und Begebenheiten stattfinden. Doch auch eine Reflexion des eigenen Handelns muss stattfinden, um zu erfahren, welche Verhaltensweisen auf welche Reaktionen stoßen, warum man sich noch nicht aktiv im Verband engagiert hat und warum man aber dennoch zu den Jusos gekommen ist. Absolventinnen dieses Programms haben dann auch die Möglichkeit, im kommenden Jahr selbst als Referentinnen ihre Erfahrungen mit neuen Mitgliedern zu teilen. Somit soll ein Rhythmus entwickelt werden, der sich in regelmäßigen Abständen wiederholt und allen Frauen immer wieder zu Gute kommt. Es soll also etwas weitergegeben werden, um es weiterentwickeln zu können – von Frauen für Frauen.

 

Liebe Genossinnen und Genossen, das sind meine drei konkreten Ziele für den Bezirksvorstand 2015.

Für mich bedeutet politisches Engagement die Möglichkeit, Gesellschaft zu verändern und Teilhabe zu ermöglichen. Wir müssen endlich weg vom starren Anträge-Schreiben – und hin zum aktiven Handeln. Juso-Politik passiert nämlich nicht im stillen Kämmerchen, sondern muss wieder auf der Straße stattfinden, mit Engagement und Durchsetzungskraft, auch wenn wir dann mal etwas unangenehm werden müssen. Denn wie heißt es so schön: Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Wir müssen wieder kritischer Motor der SPD werden und, wenn es sein muss, auch mal innerparteiliche Opposition sein.

Wer, wenn nicht wir Jusos, können das fordern, was viele sich nicht trauen.

Ich hoffe, dass wir gemeinsam den Verband nach vorne bringen und weiter laut für unsere Inhalte kämpfen und streiten!

Über Eure Unterstützung für meine Kandidatur würde ich mich sehr freuen.

Für Eure Fragen, Anmerkungen und Kritik bin ich immer offen und komme gerne auch in Eure Unterbezirke, um Euch meine Vorstellungen genauer zu erläutern!

Ich freue mich auf eine spannende Bezirkskonferenz mit Euch!

Glück auf und sozialistische Grüße

Myrella

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Über den/die Autor*in

Soziologiestudentin an der Goethe-Universität, 25 Jahre alt und Sprecherin der Frankfurter Jusos. Neben meinem hochschulpolitischen Engagement, setze ich mich ein für: Gleichstellung, Bildungsgerechtigkeit, sozialen und gerechten Wohnraum und Antifaschismus. Meine Schwerpunktthemen sind Wohnraumpolitik, Sozial- und Familienpolitik und Feminismus.



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